Fit für's Fahrrad

Radfahrtraining im Jahrgang 1 und 2

Im dritten und vierten Schuljahr üben wir mit den Karlschulkindern für die praktische Radfahrprüfung auf dem Verkehrsübungsplatz in Ramersdorf. Bei jedem Besuch auf dem Verkehrsübungsplatz merken wir sehr deutlich, dass die kindlichen Kompetenzen in Bezug auf die motorischen Radfahrleistungen der Kinder äußerst heterogen sind. Einige Kinder können schon sehr gut fahren, hingegen andere Kinder der Karlschule das Fahrradfahren nicht beherrschen, da sie weder ein Fahrrad besitzen noch regelmäßigen Fahrradtouren mit ihren Eltern unternehmen.

Dabei ist uns als Kollegium aufgefallen, dass wir mit den Kindern die theoretischen Inhalte der Radfahrprüfung im Unterricht erarbeiten können. Für die motorische Entwicklung aber ist es wichtig, schon früher mit dem Radfahrtraining zu beginnen, weil die Kinder aufgrund der geistigen und körperlichen Entwicklung noch nicht ausreichend Bewegungssicherheit beim Fahrradfahren entwickeln konnten.

*     Kinder können die komplexen Mehrfachhandlungen (Fahren, Gleichgewicht halten, Hand herausstrecken, Bremsen, Treten und auf den Verkehr achten) noch nicht leisten.

*     Auch grundlegende Anforderungen, wie das Aufsteigen von rechts, das Anfahren, die richtige Pedaleinstellung vor dem Aufsteigen und das Bremsen sind für Grundschülerinnen und Grundschüler sehr anspruchsvoll.

*     Die Schwierigkeit beim Fahren mit Gepäck oder auf Unebenheiten wird von Kindern nicht realistisch eingeschätzt.

*     Kinder sehen anders: Die Perspektive ist aufgrund der Größe anders.

*     Kinder erkennen die Ereignisse nicht, die sich am Rande ihres Blickfeldes abspielen (genannt: Tunnelblick).

*     Kinder beherrschen das Richtungshören noch nicht in dem Maße wie Erwachsene.

*     Der Bewegungsdrang der meisten Kinder ist sehr hoch.

*     Die Selbstkontrolle der Kinder ist noch nicht ausreichend vorhanden (sich im Griff haben, langsames und kontrolliertes Fahren).

*     Kinder trennen Spiel und Straßenverkehr nicht.

*     Kinder denken und handeln absolut ich-bezogen.

*    Kinder sind noch nicht in der Lage, sich in andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer hineinzuversetzen.

*     Die gedankliche Antizipation wird von Kindern noch nicht geleistet.

*     Die Reaktionsfähigkeit von Kindern ist etwa doppelt so langsam wie die von Erwachsenen.

*     Eine generelle Veränderung des Freizeitverhaltens in Form von Fernsehen, Computer-, Nintendo- und Gameboy-Spielen ist mitverantwortlich dafür, dass sich viele Kinder weniger bewegen, somit ihre Freizeit sitzend verbringen und deshalb auch in motorischen Bereichen weniger Primärerfahrungen machen.

Was ist also das Ziel des Fahrrad- und Rollertraining?

Ziel des Radfahr- und Rollertrainings ist, dass die Kinder im Schonraum (Schulhof) die Möglichkeit erhalten, ihre motorischen Fähigkeiten zu erproben und zu verbessern.

Voraussetzungen für das Radfahr- und Rollertraining werden geschaffen:
Im Herbst 2010 haben wir in der Konferenz beschlossen, auf Flohmärkten gut erhaltene und funktionstüchtige Roller und Fahrräder für die Kinder der ersten und zweiten Klassen anzuschaffen (Preis bis 25 Euro).
Im Frühling 2011 ist es so weit: 5 Fahrräder und 4 Roller (der letzte Roller kommt bald) stehen im Fahrradschuppen und warten auf die Kinder der ersten Klasse.

Das Fahrrad- und Rollertraining findet in der Schuleingangsphase in folgendem Umfang statt:

1. Schuljahr: 6 Doppelstunden (Mai/Juni)

2. Schuljahr: 10 Doppelstunden (September/Oktober und Mai/Juni)

Die motorische Entwicklung der Schülerinnen und Schüler wird anhand eines Bewertungsbogens dokumentiert, so dass genau festgehalten werden kann, in welchem Bereich noch weitere Übungen erfolgen müssen. Zudem werden die Schülerinnen und Schüler ermutigt, eine Selbsteinschätzung ihrer eigenen Fähigkeiten und deren Verbesserung abzugeben.